
Seit Januar 2003 verfügt die Tierärztliche Klinik für Kleintiere in Hofheim über eine eigene, ausschließlich für Tiere genutzte Megavoltage-Bestrahlungsanlage. Der Einsatz der Bestrahlungstherapie, eingebunden in ein Gesamtkonzept aus Tumorchirurgie und Chemotherapie, ermöglicht es uns, völlig neue Möglichkeiten in der Tumortherapie bei Tieren umzusetzen.
Unser Cobalt-Strahlentherapiegerät nutzt radioaktives Cobalt60 als Strahlenquelle, das Gamma-Strahlen mit einer Energie von 1,2 Mega-Elektronenvolt (MeV) emittiert. Zum Vergleich: Ein diagnostisches Röntgengerät setzt maximal 100 Kilovolt (KV) ein.
Durch die hohe Eindringtiefe lassen sich auch tiefliegende Strukturen bestrahlen. Ein Vorteil der Cobaltbestrahlung ist der sogenannte "Hautschonende Effekt". Dieser bedeutet, dass die maximale Dosis einige Millimeter unterhalb der Hautoberfläche liegt, was die Haut vor stärkerern Strahlungsschäden schützt.
Je nach Tumor und Tumorstadium kommt es zur Anwendung der Bestrahlungstherapie als alleinige Therapie (primäre Strahlentherapie) oder aber in Kombinmation mit anderen Therapiemodalitäten (adjuvante Strahlentherapie).

Bei Bestrahlung des Tumorbetts im Anschluß an eine chirurgische Tumorentfernung sollte nach Abheilen der Operationswunde unverzüglich mit der Bestrahlung begonnen werden. Präoperative (neoadjuvante) Bestrahlungen werden durchgeführt, wenn eine chirurgische Exzision nicht möglich ist. Ziel ist hier, die Tumormasse zu verkleinern, damit nachfolgend eine Operation durchgeführt werden kann.
Man unterscheidet kurative Bestrahlungsprotokolle, die eine Heilung oder langfristige Kontrolle des Tumors zum Ziel haben, von palliativen Protokollen, die der Verlangsamung des Tumorwachstums und Verbesserung der Lebensqualität des Patienten dienen.
Zahlreiche Tumore können mit einer Strahlentherapie behandelt werden. Ein Überblick über die wichtigsten Indikationen, die Therapieform und die zu erwartenden Ergebnisse gibt die folgende Tabelle.
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Tumor
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Art der Therapie
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Prognose
Überlebenszeit: ÜZ Rezidivfrei: RF |
| Tumoren der Maulhöhle | ||
| Acanthomatöse Epulis | primär | Kurativ, i.d.R. Heilung |
| Plattenepithelkarzinom | adjuvant | ÜZ nach inkompletter Resektion 9-15 Monate |
| Fibrosarkom | adjuvant | ÜZ nach inkompletter Resektion ca. 6 Monate |
| Orales Melanom | primär | pallativ, Rückgang des Tumors bei >50% der Patienten |
| Tumoren der Nasenhöhle | primär | ÜZ Hund: 54% 1 Jahr; 43% 2 Jahre; 35% 3 Jahre ÜZ Katze: 44% - 67% 1 Jahr |
| Hauttumoren Hund | ||
| Mastzellentumoren | adjuvant | Grad 1 und 2: 90% tumorfrei nach >2 Jahren |
| Fibrosarkome (Hund) | adjuvant | Tumorfrei 1 bis >2 Jahre |
| Diverse Karzinome und Sarkome |
adjuvant | Je nach Fall verschieden |
| Hauttumoren (Katze) | ||
| Fibrosarkom interskapular | adjuvant | Tumorfrei bis 2 Jahre |
| Plattenepithelkarzinom (Nasenspiegel) | primär | Je nach Fall verschieden, häufig kurativ |
| Diverse Karzinome | adjuvant | Je nach Fall verschieden |
| Gehirntumoren | primär | Hund: Überlebenszeiten: bis >2 Jahre |
| Osteosarkome (Hund) | primär | Palliativ (Schmerzbestrahlung) 4-9 Monate |
Die Gesamtdosis der Bestrahlungstherapie wird in mehrere Einzeldosen unterteilt, was als "Fraktionierung" bezeichnet wird. Je nach Tumor und Therapieplan werden bei kurativen Protokollen zwischen 15 und 19 Fraktionen (Bestrahlung 3-5 x wöchentlich), bei palliativen 4-6 Fraktionen (meistens in wöchentlichem Abstand) appliziert.
Die Behandlungen erfolgen in einer kurzen, oberflächlichen Gasnarkose. Da die einzelne Bestrahlungsfraktion nur wenige Minuten in Anspruch nimmt, wird sie nach Möglichkeit ambulant durchgeführt, ein stationärer Aufenthalt für Patienten mit weitem Anfahrtsweg ist jedoch möglich.
Bereits seit langem ist bekannt, dass eine Bestrahlung chronisch schmerzhafter Skeletterkrankungen bereits beim Einsatz geringer Strahlendosen zur weitgehenden Schmerzbefreiung führt, wobei der Wirkungsmechanismus noch nicht gänzlich geklärt ist. Es reichen erfahrungsgemäß 2-3 Behandlungen aus, um selbst hochgradige Arthroseschmerzen zu lindern oder zu beseitigen. Die Bestrahlung von Arthrosepatienten erfolgt nach Untersuchung und in enger Zusammenarbeit mit unseren Orthopäden, die nach genauer Untersuchung die Diagnose verifizieren und die zu bestrahlenden Gelenke festlegen.
Es können gleichzeitig mehrere Gelenke bestrahlt werden. Der schmerzstillende Effekt hält für ca. 6-9 Monate an und die Behandlung kann ggf. ein zweites Mal wiederholt werden. Schmerzmedikamente sind in dieser Zeit nicht erforderlich oder können reduziert werden.
An die erfolgreiche Schmerztherapie kann sich eine Physiotherapie anschließen, die der Beseitigung der Folgen der Fehlbelastung dient (Muskelatrophie, Verspannungen, Fehlstellungen, etc.)